[[http://www.bonner-aufruf.eu/?seite=unterzeichner10|Bonner Aufruf]] - „Eine andere Entwicklungspolitik!“ Vielen Menschen in Afrika ist durch die Entwicklungshilfe der letzten fünf Jahrzehnte geholfen worden. Unter anderem wurden Krankheiten bekämpft, Bildung vermittelt und wirtschaftliche Impulse gegeben. Dennoch ist es mit hunderttausenden Projekten, die viele Milliarden Dollar gekostet haben, nicht gelungen, Afrika zu einem selbsttragenden, seinem Bevölkerungswachstum entsprechenden wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt zu verhelfen. Die Mehrheit der Menschen in den meisten Ländern Afrikas hat heute **keine besseren Lebensbedingungen als vor 50 Jahren**. Zugleich hat das System der Entwicklungshilfe den Regierenden ermöglicht, **politische, soziale und wirtschaftliche Reformen** zu **unterlassen** und allzu oft nur nach Mehrung der eigenen Macht und des persönlichen Reichtums zu streben. Wir haben zwar wirksame humanitäre Hilfe geleistet, aber unsere Unterstützung einer selbsttragenden und dauerhaften politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung Afrikas hat nicht zu den erhofften Ergebnissen geführt. Hier hat die Entwicklungszusammenarbeit, die „Entwicklungspolitik“ – und nur dies ist Thema des „Bonner Aufrufs“ – versagt. Dieses Versagen sowie die ausufernde Verschuldung der Entwicklungsländer haben die Vereinten Nationen, die internationalen Finanzinstitutionen und die wichtigsten Geberländer um die Jahrtausendwende veranlasst, einen Neuanfang zu versuchen. Mit der Entschuldungsinitiative 1999, den Millenniums-Entwicklungszielen von 2000, dem Afrika-Aktionsplan der G8 von 2003, den Beschlüssen der G8-Gipfel 2005 in Gleneagles und 2007 in Heiligendamm, der Afrikastrategie der Europäischen Union, der Pariser Erklärung zur besseren Wirksamkeit der Hilfe 2005 sollte die Entwicklungszusammenarbeit eine neue Orientierung bekommen. Jedoch hat auch die neue Strategie bisher kaum Fortschritte gebracht. Die angekündigten Reformen sind ins Stocken geraten. Die ebenfalls mit großen Erwartungen verknüpfte „Neue Partnerschaft zur Entwicklung Afrikas“ (NEPAD) hat bisher wenig bewirkt. Den Regierenden vieler afrikanischer Staaten fehlt nach wie vor der Wille zu tiefgreifenden Reformen. Das als Erfolg der neuen Strategie angeführte wirtschaftliche Wachstum einiger Länder hat sich als nicht dauerhaft erwiesen. Es geht entweder auf gestiegene Rohstoffpreise oder auf massive Zuführung von Entwicklungshilfemitteln zurück, von denen die breite Bevölkerungsmehrheit bisher nicht profitiert hat. Der Unterschied zwischen Arm und Reich in Afrika ist im letzten Jahrzehnt größer geworden. Die Teilnahme und Teilhabe an den wirtschaftlichen Wachstumsprozessen ist auf die oberen Schichten der afrikanischen Gesellschaften beschränkt. Schon heute ist eindeutig absehbar, dass das wichtigste Millenniumsziel - die Halbierung der absoluten Armut bis zum Jahr 2015 – in Afrika verfehlt werden wird. Die großen Erwartungen in die neue internationale Entwicklungsstrategie erweisen sich zunehmend als Illusion. **Ideen zum Bonner Aufruf:** [[open_space|Open Space]]-Projektgruppe im Rahmen der Und-Jetzt?! Konferenz 2010 zum Thema "Bonner Aufruf" Idee: Was haltet ihr vom Bonner Aufruf? Inwieweit betrifft er uns? **Themen der Diskussion:** 1. Kritikpunkte und Gedanken zum Bonner Aufruf: * An wen richtet sich der Bonner Aufruf eigentlich (Bundesregierung, NGOs) * Inwiefern müssen die Arbeit von NGOs und die entwicklungspolitischen Handlungen von Staaten getrennt, bzw. in Zusammenhang betrachtet werden? * Wo wird das Thema von Subventionen und Handelsbarrieren von Seiten der EU und des Westens behandelt? * Muss sich bei einer Streichung oder Kürzung der EZ-Gelder nicht gleichzeitig die globale Wirtschaftsordnung ändern? * Die Konsequenzen eines Rückzuges aus der EZ müssen bedacht werden – welche Problematiken können entstehen? * Nicht die Quantität von Geld sondern die Qualität seiner Verwendung ist entscheidend. 2. Gedanken zur Entwicklungszusammenarbeit im Allgemeinen: * Geberländer wollen teilweise politischen und/oder wirtschaftlichen Einfluss nehmen – kann man das Entwicklungszusammenarbeit nennen? * Gibt es ein wirtschaftliches Interesse des Westens, Korruption nicht zu bekämpfen? * Wie hoch sind die Entwicklungshilfegelder überhaupt? * Was berechtigt zur Einflussnahme – positive wie negative? * Sollte die Konzentration von Engagement auf Handelsbeziehungen und Partnerschaften von Deutschland erfolgen? * Hat Deutschland eine Verantwortung in den Partnerländern durch seine koloniale Vergangenheit? * Sollten sich nicht die einheimischen Bevölkerungen vor Ort für ihre Belange bei ihren eigenen Regierung einsetzen? * Bei wem liegt die Verantwortung dafür, wie gewirtschaftet wird? * Wo und inwiefern treffen monetäre Mächte auf unterentwickelte afrikanische Staatsstrukturen? * Welche Rolle sollen Regierungen der betroffenen Staaten spielen-­‐ sollten sie vollwertige Partner sein oder sind sie keine legitime Vertretung der jeweiligen Bevölkerung? * Die Vertretung der betroffenen Staaten in der EZ – Augenhöhe contra bad governance * Afrika nicht als Opfer sehen – den Forderungen aus dem afrikanischen Kontinent zuhören – Afrika muss sich selbst befreien und kann nicht entwickelt werden Konsens: In der EZ läuft etwas schief! Thema für eine Fortsetzung der Diskussion: Welche Leitgedanken können aus dem Bonner Aufruf für uns Freiwillige und unser Engagement abgeleitet werden? Entstehung eines Wittener Aufrufs? Kontakt: Regina (weinaroma@gmx.de) Alessa (alessa.radieschen@googlemail.com)